Zur Verleihung 2018
Zur Verleihung 2017

Die Verleihung 2019:

CouLe“-Preis für couragierte Lesben verliehen an Geschichtsaktivistinnen

Am 18. Mai 2019 wurden Prof. Christiane Leidinger und Ingeborg Boxhammer von der LAG Lesben in NRW mit der CouLe, dem Preis für engagierte Lesben, ausgezeichnet. Im voll besetzten Saal im Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf feierten die Anwesenden die Geschichtsaktivistinnen für die Erforschung der Geschichte_n von Lesben und ihren Bewegungen – diese finden sie in Stadt- und Zeitungsarchiven, manche zufällig und nach manchen wird explizit gesucht. Das gesammelte Wissen teilen sie auf der kostenfrei und teilweise in zehn Sprachen zugänglichen Webseite lesbengeschichte.de.

Mit der CouLe würdigt die LAG Lesben in NRW Jury Frauen, die offen und engagiert für die Interessen von Lesben eintreten. In diesem Jahr knüpfte die Jury an die Kämpfe zur Erlangung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren und an den Aufstand 1969 vor dem legendären Stonewall Inn in New York City an. Vorständin Angelika Voß erinnerte an die Schnittmengen, die die Lesbenbewegung sowohl mit der Frauen- als auch Schwulenbewegung hat und dass uns die Geschichte zeigt: „Wir fangen nicht bei Null an“ – wir profitieren von dem Schatz vieler Vorkämpfer_innen und Sichtbarmacher_innen. Moderatorin Dr. Ann Marie Krewer mahnte in Erinnerung an Hannah Arendt: „Wenn wir uns versplittern, verringert sich die Macht. Menschen existieren nur in Vielfältigkeit.“ Es gilt das Gemeinsame zu gestalten und das nennt sich dann „Politik“.

Nachdem das einzige Lesbenakkordeonorchester der Welt, „Lydies Lesbische Verwandtschaft“, schon auf der ersten Preisverleihung in 2009 das Publikum entzückte, beehrten sie die diesjährige Verleihung u.a. mit der Musik aus „Miss Marple“ und „Pippi Langstrumpf“.

Mit der Performance „Her Story – HörStories“ erinnerten engagierte Lesben unter der Regie von Bernd Plöger an 100 Jahre Lesbengeschichte, zunächst leise und zaghaft, dann immer kräftiger im Ton und Forderung nach Macht, Sichtbarkeit, Teilhabe und Gleichberechtigung – nach dem begeisterten Applaus kam die Laudatorin Astrid Hirsch, Historikerin der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, darauf zu sprechen, was die Begeisterung für Geschichte ausmacht: „Der Hunger nach Wissen und Erkenntnis gepaart mit dem Wunsch, Dinge zu bewahren und auf Missstände aufmerksam zu machen.“ Und dass Prof. Christiane Leidinger und Ingeborg Boxhammer das nicht für sich selbst machen, sondern Lesbengeschichten, Filme und Portraits seit 2005 auf ihrem non-budget Online-Portal Lesbengeschichte.de zusammentragen, um historische und aktuelleSichtbarkeit als Teil des Widerstands gegen Enthistorisierung lesbischer Existenzen und Aktivitäten in die Öffentlichkeit holen – dafür wurden die beiden Wissenschaftlerinnen mit der CouLe 2019 ausgezeichnet.

Ingeborg Boxhammer und Christiane Leidinger dankten den zahlreichen Autor*innen, Übersetzer*innen, Web- und Postkartendesignerinnen sowie ungenannten Unterstützer*innen, ohne deren Engagement das Gemeinschaftsprojekt nicht möglich sei.

Fotos: Elke Vahle

Die Verleihung 2018:

„CouLe“-Preis für couragierte Lesben verliehen an Soziologin Constance Ohms

Am 10. Juni 2018 wurde in Bochum der Preis für couragierte Lesben der LAG Lesben in NRW an die Soziologin und Aktivistin Dr. Constance Ohms verliehen. Sie setzt sich mit ihrem Lebenswerk gegen Gewalt in lesbischen und queeren Beziehungen ein.

Mit der diesjährigen Verleihung knüpfe die Jury an das „allgegenwärtige Gegenankämpfen der Jahre nach 1968“ an, so Moderatorin Dr. Ann Marie Krewer. In der Community habe es viele Jahre der Auseinandersetzung erfordert, „um mit Ambivalenzen zu leben und schließlich auch sich selbst als Teil der Gewaltverhältnisse zu erkennen.“ Für diese Leistung, insbesondere die Enttabuisierung lesbischer Gewalt, war Constance Ohms Arbeit maßgeblich. Angela Siebold vom Paritätischen Wohlfahrtsverband erinnerte an die alltägliche Gewalt gegen Frauen: Jede dritte Frau hat einmal Gewalt erfahren. Mit diesem Wissen speziell lesbische Gewalt zu benennen und sich – lange Zeit als Einzige – für diejenigen stark zu machen, die solche Gewalt erleben mussten, „erforderte Courage“. Die Journalistin Monika Mengel schlug den histori­schen Bogen zur den Zeiten der Frauenbewegung, in denen mit „teils brachialen Mitteln“ alles daran gesetzt wurde, „uns als handelndes Subjekt zu sehen – auch erotisch –, um nicht Opfer zu sein.“ Lesen Sie hier den ganzen Vortrag (als PDF).

Mit dem Tabu lesbischer Täterschaft und dem hehren Ideal lesbischer Schutzräume brach die Preisträgerin 1993 in ihrem ersten und weithin wirksamen Buch „Mehr als das Herz gebrochen – Gewalt in lesbischen Beziehungen“.

Seitdem kann sie mit ihrer publizistischen und beratenden Tätigkeit zum Thema Gewalt in lesbischen und queeren Beziehungen als bahnbrechende Pionierin und als eine der wenigen Expertinnen auf diesem Gebiet gelten. „Mit beharrlicher Aufklärungsarbeit hat sie das Schweigen gebrochen“, heißt es in der Begründung der Jury, „und sich der Vereinfachung komplexer Dynamiken widersetzt“. Aus ihrer einzelnen Initiative entstand nach und nach ein weitgefächertes Netzwerk für die Unterstützung der von häuslicher Gewalt Betroffenen. Heute leitet Dr. Constance Ohms die Fachberatungsstelle gewaltfreileben in Frankfurt am Main.

Laudatorin Almut Dietrich sprach von der „Neugier, dem Engagement und dem großen Mut“, den Constance Ohms aufbrachte, indem sie gegen Ignoranz und Abwehr innerhalb der eigenen Community vorging. Sie erinnerte daran, wie „nachhaltig und unbeirrt“ Ohms das Tabu hinterfragte und hob ihren wesentlichen Einfluss auf die fachliche Arbeit zu diesem Thema hervor: „Ohne sie gäbe es kaum deutschsprachige Bücher zum Thema.“ Lesen Sie hier die gesamte Laudatio (als PDF).

Die Schöpferin der CouLe-Skulptur aus Metall Regine Rostalski war selbst dabei, als diese an die aktuelle Preisträgerin übergeben wurde.

Constance Ohms erklärte, dass sich seit den Anfängen ihrer Arbeit viel zum Guten und zu mehr praktischer Hilfe hin verändert habe. Sichtlich bewegt sprach sie von „Türen in den Wänden, gegen die ich jahrelang gerannt bin“. Sie zeigte sich „sehr berührt durch die Wertschätzung und Anerkennung“, beharrte aber darauf, auch ihren Mitstreiterinnen und Weggefährtinnen gebührenden Beifall zu zollen – was mit Standing Ovations gefeiert wurde.

Auf dem Foto von links nach rechts: Monika Mengel, Dr. Ute Zimmermann, Angela Siebold, Karolin Jacobs und Constanze Alpen, Dorothee Mülder, Dr. Constance Ohms, Almut Dietrich, Dr. Ann Marie Krewer, Gabriele Bischoff, Şefik_a Gümüș und Inge Landmann
Fotos: Elke Vahle

Fotos: Elke Vahle

Die Verleihung 2017:

„CouLe“-Preis für couragierte Lesben an Politologin María do Mar Castro Varela

Am 21. Mai wurde in Bochum der neue Preis für couragierte Lesben „CouLe“ der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW e.V. an die Wissenschaftlerin Prof. Dr. María do Mar Castro Varela verliehen. Die Berliner Professorin setzt sich mit ihrer Forschung besonders für die Rechte von lesbischen Frauen mit Migrations- und Rassismuserfahrung ein.

„CouLe – Preis für couragierte Lesben“: Unter diesem Namen startete die LAG Lesben in NRW 2017 ihre Neukonzeptionierung des vorherigen Augspurg-Heymann-Preises. Vor rund 140 geladenen Gästen nahm am Sonntag die Politologin Prof. Dr. María do Mar Castro Varela die Auszeichnung im Bochumer Jahrhunderthaus in Empfang. Mit der CouLe möchte die LAG Lesben Frauen öffentlich würdigen, die in ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern engagiert für die Interessen von Lesben und gegen Diskriminierung eintreten.

„Der Name mag sich geändert haben, Zielsetzung und Absicht sind aber dieselbe geblieben“, knüpfte Moderatorin Dr. Ann-Marie Krewer die Verbindung zwischen altem und neuem Preis und führte die Vision bis zu Adorno fort: „Zu erreichen, dass wir alle ohne Angst verschieden sein können.“
Staatssekretärin Martina Hoffmann-Badache vom NRW-Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter betonte in ihrem Grußwort die Notwendigkeit von „Vorbildern und Vorkämpferinnen für eine offene Gesellschaft, in der Vielfalt als Bereicherung erkannt wird.“ Sie würdigte die politischen Anstrengungen der letzten Jahre. Dass es in unserer Gesellschaft dennoch so viele Vorurteile gibt, liege auch daran, so Hoffmann-Badache, „dass es an Wissen über queeres Leben fehlt.“

Dieses Wissen zu vermitteln, darin sieht die diesjährige CouLe-Preisträgerin ihre wichtigste Aufgabe. Dabei müssten wir alle, auch die Community selbst, „insbesondere die im Blick haben, die maximal verletzlich sind“, so Castro Varela. „Leid und Schmerz müssen Teil dessen werden, das wir versuchen zu verstehen und zu verändern.“

Laudatorin Gema Rodriguez Diaz von der Integrationsagentur im Kölner rubicon erklärte: „María do Mar Castro Varela war eine der Ersten, die im Thema Antirassismus-Training und Empowerment gearbeitet hat. Ihre wissenschaftlichen Arbeiten haben die Frauen- und Geschlechterforschung, die Queer Studies, die postkoloniale Theorie und die Rassismusforschung entscheidend geprägt.“ Viele dächten von ihr als eine „queer-feministische Superheldin“, so Rodriguez Diaz. Sie selbst würdigte die Preisträgerin als „präzise und analytisch denkende“ Frau „von messerscharfem Intellekt, Offenheit, Neugierde und Bereitschaft zur Auseinandersetzung auf Augenhöhe.“ Besonders hob sie die Wirkmacht von Castro Varelas Arbeiten hervor: „Wer ihre Texte liest, denkt danach anders. Ihre Texte, Vorträge und Seminare regen dazu an, Privilegien zu reflektieren, aber auch nicht dabei stehen zu bleiben, sondern aktiv zu werden, queere Utopien zu entwickeln und Allianzen und Bündnisse zu schließen, die Grenzen überwinden.“

Im Hintergrund von links nach rechts: Dr. Ann Marie Krewer, Antje-Marie Kühn, Staatssekrätarin Hoffmann-Badache, Regine Rostalski, Dorothee Mülder, Prof’in María do Mar Castro Varela, Dr. Ute Zimmermann, Gema Rodriguez Diaz, Gabriele Bischoff, Daya Holzhauser, Eva Kulot, Inge Landmann Im Vordergrund: Biriba Brasil de Bochum, die mit kämpferischen Tanzeinlagen für Schwung sorgten
Fotos: Elke Vahle
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