Die Preisträgerinnen 2019:

Ingeborg Boxhammer, M.A., & Prof. Dr. Christiane Leidinger

Erstmals wird „CouLe“ an zwei „umtriebige“ lesbenhistorische Spurensucherinnen verlie­hen. Ihr mehrsprachiges Online-Geschichts­projekt Lesbengeschichte.org lebt seit 2005 vom Engagement der Historikerin Ingeborg Boxhammer und der Politik- und Sozialwissenschaftlerin Christiane Leidinger sowie den Autor*innen, Übersetzer*innen, Webdesignerinnen und zahlreichen Unterstützer*­innen, die mit dem Portal verbunden sind.

Die beiden Geschichtsaktivistinnen Ingeborg Boxhammer, M.A. und Prof. Dr. Christiane Leidinger haben sich seit vielen Jahren sowohl als einzelne Akteurinnen wie auch mit der Netzpräsenz Lesbengeschichte.org verdient gemacht. Seit dem Portalstart sind die kostenlos zugänglichen Forschungserkenntnisse, Dokumentationen und Informationen des No-Budget-Projekts stetig gewachsen. Inzwischen liegen rund 100 Texte in teils 10 Sprachen vor und können online gelesen werden. Des Weiteren lassen sich u.a. rund 500 Spielfilmtitel und etwa 450 Dokumentationen sowie Fernsehfeatures recherchieren.

„In Zeiten von erstarkenden völkisch-autoritären und extrem rechten Kräften, von geschichtsrevisionistischen Äußerungen bis an die Grenze zur Holocaustleugnung, ist kritische Geschichtsarbeit und Erinnerungskultur besonders wichtig.“

Ingeborg Boxhammer ist Autorin verschie­dener Publikationen zu lesben(film)his­to­rischen Themen. Seit ihrer Jugend sucht, sichtet und archiviert sie Filme, bevorzugt lesbischen Inhalts. Legendär ist ihr seit 2005 verschickter Fernsehnewsletter für Lesben und Trans*. Außerdem engagiert sie sich seit 2012 als Organisatorin des regelmäßigen Queer Monday im Bonn-Beueler Kino in der Brotfabrik. Sie hat Germanistik und Geschichte studiert und ist als freie Historikerin in der historisch-politischen Bildung, als Lek­torin sowie seit 1999 als EDV- und Deutsch- Trainerin in der Erwachsenenbildung tätig.

Christiane Leidinger schloss ihr Studium der Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin 1995 als Diplom-Politologin ab. 2002 wurde sie an der Universität in Gießen mit einer Arbeit zur Politischen Ökonomie von Medien und Globalisierung promoviert. Die Politik- und Sozialwissenschaftlerin arbeitet am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften an der Hochschule Düsseldorf als Professorin für Soziologie mit besonderem Schwerpunkt Geschlechtersoziologie. Zusammen mit Prof. Dr. Gabriele Dennert und Franziska Rauchut unter Mitarbeit von Stefanie Soine hat sie 2007 das Lesbenbewegungsbuch „In Bewegung bleiben“ herausgegeben.

Der Landesverband LAG Lesben in NRW e.V. ehrt mit der „CouLe. Preis für Couragierte Lesben“ die beiden Macherinnen hinter dem Portal Lesbengeschichte.org. Mit der Netz­prä­senz initiierten sie ein Projekt der Ge­schichts­­­schreibung, das lesbische Geschichte rekon­­struiert, außerdem Lesbengeschichte zugänglich sowie sichtbar macht und Autor*­innen ein Forum bietet, um ihre Forschungsergebnisse online zu präsentieren. Die Netz­­präsenz lebt seit 2005 von ihrem Engage­­ment und den mit dem Projekt verbundenen Personen:

  • 17 Autor*innen:
    Christian-Alexander Wäldner, Christiane Leidinger, Claudia Schoppmann, Corinna Tomberger, Erwin In het Panhuis, Gabi Einsele, Heike Schader, Ilse Kokula, Ingeborg Boxhammer, Jens Dobler, Madeleine Marti, Petra Heinrichs, Raimund Wolfert, Regula Schnurrenberger (1953-2005), Sabine Kröner, Ulrike Janz und Ulrike Sparr.
  • 35 Übersetzer*innen:
    A. K., Alex Harstall, Aline Tizon, Allison Brown, Amor Escalier, Angelika Wichert, Anita Winter, Anke Sauerbrey, Anu Karlson, Bibiane Lengler-Michaelsen, Carmen Chantico, Claudia Walther, Dagmar Heymann, Duygu Nalbant, Edith Kellenhusen, Elena Terson de Paleville, Eva Gundermann, Frauke Köppen-Schomerus, Grit Paechnatz, Isabelle Jahraus, Katharina Mader, Kseniya Hahn, Lisa Blau, Marina Kaykhanidi, Marion Dupuis, Moba Kifra, Monika Richrath, Natalia Gerodetti, Paul Jojart, Petra Pokorniková, Radcliff Nord, Regina Weber, Ron, Silvia R. und Vanessa Tuttlies.
  • 2 Webdesignerinnen:
    Heike Jachtmann (Framelose Seiten), Nika Schwab (Design)
  • 2 Postkartendesignerinnen:
    Sandra H. (Lotte-Hahm-Postkarte), Taro Trautner (Portal-Postkarten)
  • … und zahlreiche Unterstützer*innen:
    Barbara, Barbara, Birgit, Birgit Schnieders, Brigitta, Claudia, Claudia Breger, Claudia Koltzenburg, Corinna, Cornelia, Cynthia Wilson, Ellen, Faina Großmann, Franziska Rauchut, Gabriele, Gabriele Dennert, Gabriele Mietke, Gabriele D. Rosenstreich, Hedwig Henschel, Heike Cox, Heike Janes, Helga Zimmermann, Ira Kriesche, Jillian B. Suffner, Julia, Jutta, Katharina, Katharina, Kima, Kirsten, Madeleine S., Margit, Michaela Cox, Nathalie, Olaf, Petra, P. S., Regine Henschel, Sonja, T. M., Ulrike, Ulrike, Ute, Y. B.
  • … und möglicherweise versehentlich doch nicht Genannte sowie nicht zuletzt die Leser*innen und Surfer*innen des Portals.

Ausgezeichnete Frauen

Constance Ohms

2018

Die CouLe – Preis für Couragierte Lesben der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahr 2018 an Constance Ohms.

Tabubrechende Pionierin

Seit 1993 publiziert und forscht sie umfassend rund um das Thema Gewalt in lesbischen, mittlerweile auch queeren Beziehungen. Als Pionierin auf dem Gebiet der häuslichen Gewalt hat die Wissenschaftlerin und Beraterin das Schweigen gebrochen und da­mit auch das Selbstbild von der friedfertigen, lesbischen Frau ins Wanken gebracht. Die diffe­ren­zierte Denkerin hört nicht auf, Fragen zu stellen. Mit ihrer Arbeit steht sie dafür, genau zuzuhören und komplexe Gewaltdynamiken nicht zu vereinfachen.

María do Mar Castro Varela

2017

Die CouLe – Preis für Couragierte Lesben der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahr 2017 an María do Mar Castro Varela.

Intervenieren und sagen, was ist.

Die Diplompsychologin, Diplompädagogin und promovierte Politologin engagiert sich in der Internationalen Frauen- und Genderforschung, der Kritischen Migrationsforschung und zu postkolonialen Theorien mit den Schwerpunkten Diskriminierung, Rassismus, Gender und Queer Studies. Ihr Denken und Handeln zeichnet sich dadurch aus, mit analytischer Schärfe immer tiefer in gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse einzudringen und gangbare Wege eines gleichberechtigten Miteinanders auszuloten. Sie stellt Normierungen in Frage – spiegeln diese doch auch immer Macht- und Herrschaftsgefüge wider.

Gudrun Fertig und Manuela Kay

2015

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahr 2015 an Gudrun Fertig und Manuela Kay.

Dynamisches Duo für lesbische Sichtbarkeit
Die Verlegerinnen Gudrun Fertig und Manuela Kay engagieren sich als Journalistinnen professionell und kontinuierlich für die Belange von Lesben, Schwulen und Transgendern. Damit setzen sie Maßstäbe und geben wichtige Impulse in die Gesellschaft. Unermüdlich setzen sich beide Unternehmerinnen nicht nur für die journalistischen Inhalte ein, sondern überzeugen mit der Qualität ihrer Produkte einen größer werdenden Stamm Werbekund_innen von der Relevanz der LSBT*-Zielgruppe. Mit ihrer Arbeit und mit Herzblut, auch weit über den Verlag hinaus, engagieren sich Gudrun Fertig und Manuela Kay für Power und Sichtbarkeit von Lesben.

Dr. Maria Beckermann

2014

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahr 2014 an Dr. Maria Beckermann. Die Frauenärztin und Sexualtherapeutin wird ausgezeichnet für ihren lebenslangen Einsatz für die Stärkung der Gesundheit von Frauen, insbesondere Lesben.

Widerständige Überzeugung
Frau Dr. Beckermann hat mit ihrem beruflichen und ehrenamtlichen Engagement als Ärztin und Beraterin viel für die Widerstandskraft, Energie und körperliche sowie psychische Gesundheit von Lesben geleistet. Anstatt Frauen zu medikalisieren, trägt sie in besonderem Maß zu Strukturen bei, die sie stärken und fördern. Ihre lesbische Identität und ihre feministische Grundüberzeugung setzt Maria Beckermann in der Öffentlichkeit stets offen und positiv voraus, was andere Frauen vorbildhaft darin bestärkt, das Gleiche zu tun.

Dr. Susanne Baer

2013

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahr 2013 an Prof’in Dr’in Susanne Baer.

Einsatz für die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen
Als Wissenschaftlerin setzt sich Susanne Baer intensiv mit diskriminierungs- und gleichstellungsrelevanten Aspekten in Grund- und Verfassungsrecht auseinander; in ihrem gesellschaftspolitischen Engagement lässt sie sich von ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten. So hat sie einen erheb-lichen Anteil an der zunehmenden rechtlichen Gleichstellung von Lesben und Schwulen in der Gesellschaft. Als Richterin am Bundesverfassungs-gericht ist sie eine öffentliche Person. Sie lebt ihre lesbische Identität selbstverständlich und offen, was zu einer wahrnehmbaren Sichtbarkeit von Lesben in unserer Gesellschaft führt.

Dr. Inge von Bönninghausen

2012

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahre 2012 an Inge von Bönninghausen. Die Journalistin und langjährige Lobbyistin Inge von Bönninghausen wird für ihre streitbare frauenpolitische Arbeit mit dem Augspurg-Heymann-Preis ausgezeichnet.

Gemeinsam sind wir stark – gemeinsam bleiben wir lästig
Inge von Bönninghausen hat immer Bündnisse von und für Frauen gesucht und wo sie sie nicht fand, zielstrebig gegründet, sowohl regional, national als auch international. Als kluge Begleiterin des Feminismus und der neuen Frauenbewegung hat sie frei von Klischees über Lesben berichtet.

Tanja Walther-Ahrens

2011

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahre 2011 an die ehemalige Bundesliga-Fußballerin Tanja Walther-Ahrens. Sie wird für ihr langjähriges engagiertes und couragiertes Eintreten gegen Homophobie im Fußballsport mit dem Augspurg-Heymann-Preis ausgezeichnet.

Kenntnisreiche Auseinandersetzung mit Klischees und Vorurteilen
Die Sportwissenschaftlerin und Lehrerin Tanja Walther-Ahrens hat als Stürmerin bei Tennis Borussia Berlin und Turbine Potsdam gespielt, heute ist sie aktiv im SV Seitenwechsel. Für die Stürmerin ist Fußball ein Abbild der Gesellschaft: „Wenn wir hier etwas ändern können, kann man auch in der Gesellschaft etwas ändern.“

Maren Kroymann

2010

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahre 2010 an die Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin Maren Kroymann. Die Wahl fällt auf Maren Kroymann, weil sie durch ihr langjähriges Wirken zu einer größeren Sichtbarkeit von Lesben im öffentlichen Raum beiträgt.

Lesbischsein als Selbstverständlichkeit leben
Maren Kroymann bricht mit ihren Rollen so manche heterosexistische Tabus und füllt mit einer unverwechselbaren Persönlichkeit ein breites Spektrum von Menschentypen aus. Sie gibt die resolute Mutter, die unkonventionelle Sozialarbeiterin, die stürmische Liebhaberin oder die durchgreifende Chefin. Somit stellt sie die ganze Bandbreite von lesbischem und heterosexuellem Frauenleben in der Gegenwart dar.

Mirjam Müntefering

2009

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahre 2009 zum ersten Mal an die Schriftstellerin Mirjam Müntefering.

Für Mut und Courage jeder einzelnen Frau
Ihr gelingt, ein Verständnis zu entwickeln für die Lage anderer. Sie macht es uns ganz schön schwer, andere zu verurteilen oder nicht zu mögen – denn die Akzeptanz von Fehlern und das Witzige, das in ihnen steckt, eröffnet neue Perspektiven auf die Welt.

DANKE FÜR DIE UNTERSTÜTZUNG