Die Preisträgerin 2018:

Dr. Constance Ohms

„In unserem Streben nach Anerkennung, Gleichberechtigung, nach „Normalität“ übersehen wir leider allzu oft, dass Normalität auch ihre Schattenseiten hat, dass Lesben nicht die besseren Menschen sind, sondern auch gewalttätig, sexistisch, rassistisch oder feindlich gegenüber behinderten Menschen sein können.“

1993 veröffentlicht der Berliner Orlanda Verlag „Mehr als das Herz gebrochen – Gewalt in lesbischen Beziehungen“ von Dr. Constance Ohms. Mit diesem Buch wird sie, auch über die Grenzen der lesbischen Community hinaus bekannt. Das Buch steht am Anfang ihres mittlerweile über 25 Jahre andauernden Engagements. Es ist zum einen der Beginn ihrer umfassenden, publizistischen Tätigkeit rund um das Thema Gewalt in lesbischen, mittlerweile auch queeren Beziehungen. Es ist aber auch der Beginn ihrer breit gefächerten Forschungs- und Beratungstätigkeit für Lesben und queere Menschen.

Constance Ohms (Jahrgang 1961) lebt seit Ende der 80er Jahre in Frankfurt/Main. Dort hat sie auch Neuere Philologie, Soziologie und Betriebswirtschaft studiert und abgeschlossen. 2007 promovierte sie an der Universität Oldenburg über das Thema „Gewalt und Aggression von Frauen“.

Sie gilt als Pionierin und als eine der wenigen Expertinnen auf diesem Gebiet der häuslichen Gewalt. Sie hat mit einem Tabu gebrochen. Dass es überhaupt Gewalt in lesbischen Beziehungen gibt, wurde in der Szene lange ignoriert und verleugnet und im Mainstream gar nicht wahrgenommen. Mit ihrer beharrlichen Aufklärungsarbeit hat Constanze Ohms das Schweigen gebrochen und damit offenbar auch das Selbstbild von der friedfertigen, lesbischen Frau ins Wanken gebracht.

In unserem Streben nach Anerkennung, Gleichberechtigung, nach „Normalität“ übersehen wir leider allzu oft, dass Normalität auch ihre Schattenseiten hat, dass Lesben nicht die besseren Menschen sind, sondern auch gewalttätig, sexistisch, rassistisch oder feindlich gegenüber behinderten Menschen sein können.“

Seit den späten 1990er Jahren wird Constance Ohms zu Kongressen eingeladen und interviewt. Ihre Thesen erreichen den Mainstream. So berichtete im November 2010 „die Standard“ unter dem Titel „Wenn Frau Frau schlägt…“ über eine Fachkonferenz in Wien. Außer Constance Ohms sprachen dort noch Expert*innen aus dem Opferschutz, der Polizei, von Beratungsstellen und aus der Politik. In den Referaten und der anschließenden Diskussion ging es auch um die Diskrepanz einerseits Konzepte gegen Trans* und Homophobie zu entwickeln, andererseits offen über Gewalt in diesen Gruppen zu informieren. Etwa darüber, dass es hier Opfer, als auch Täterinnen gibt. In dem online-Artikel wird Constance Ohms ua so zitiert: „Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Frauen als gewaltlose Wesen und die Zuordnung von Frauen zu Männern mittels Heterosexualität als einzig richtige und gesellschaftlich akzeptierte Ausrichtung hat bedeutsame Auswirkungen auf lesbische Frauen. Lesben entsprechen weder dem Geschlechterrollenstereotyp noch verhalten sie sich kongruent zur Normsetzung der Heterosexualität. Der Feminismus der 70er Jahre war geprägt von der Analyse hegemonialer Verhältnisse. Frauen wurden als Opfer und Männer als Täter schubladisiert. Lesbische Frauen, die Gewalt in ihrer Beziehung erfahren, werden mehrfach diskriminiert und marginalisiert. Im Regelfall können sich lesbische Opfer häuslicher Gewalt nämlich nicht an Opfereinrichtungen wenden, ohne das Risiko einer Re-Viktimisierung einzugehen. Das Gleiche gilt für Lesben, die Gewalt verüben. Täterinnen brechen nicht nur mit dem Stereotyp der gewaltlosen Frau, sondern widersprechen der Maxime der Heterosexualität.“

1997 gründete sie mit anderen das Netzwerk „Hessisch Lesbisch“ und ist Sprecherin des QueerNet Hessen, einem Netzwerk lesbischer, schwuler und trans*-Initiativen und -Organisationen. Sie ist Mitbegründerin des Vereins „Broken Rainbow e.V.“ und leitet seit 2016 die Fachberatungsstelle gewaltfreileben in Frankfurt/M. Diese Beratungsstelle richtet sich an Lesben, Trans* und queere Personen, die Gewalt und Diskriminierungen erleben.

Neben zahlreichen, erfolgreich absolvierten Weiterbildungen durchläuft Constance Ohms derzeit eine mehrjährige Ausbildung zur systemischen Beraterin. Für ihre engagierte Arbeit erhielt sie ua 2013 den Ehrenbrief des Landes Hessen.

Ausgezeichnete Frauen

María do Mar Castro Varela

2017

Die CouLe – Preis für Couragierte Lesben der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahr 2017 an María do Mar Castro Varela.

Intervenieren und sagen, was ist.

Die Diplompsychologin, Diplompädagogin und promovierte Politologin engagiert sich in der Internationalen Frauen- und Genderforschung, der Kritischen Migrationsforschung und zu postkolonialen Theorien mit den Schwerpunkten Diskriminierung, Rassismus, Gender und Queer Studies. Ihr Denken und Handeln zeichnet sich dadurch aus, mit analytischer Schärfe immer tiefer in gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse einzudringen und gangbare Wege eines gleichberechtigten Miteinanders auszuloten. Sie stellt Normierungen in Frage – spiegeln diese doch auch immer Macht- und Herrschaftsgefüge wider.

Gudrun Fertig und Manuela Kay

2015

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahr 2015 an Gudrun Fertig und Manuela Kay.

Dynamisches Duo für lesbische Sichtbarkeit
Die Verlegerinnen Gudrun Fertig und Manuela Kay engagieren sich als Journalistinnen professionell und kontinuierlich für die Belange von Lesben, Schwulen und Transgendern. Damit setzen sie Maßstäbe und geben wichtige Impulse in die Gesellschaft. Unermüdlich setzen sich beide Unternehmerinnen nicht nur für die journalistischen Inhalte ein, sondern überzeugen mit der Qualität ihrer Produkte einen größer werdenden Stamm Werbekund_innen von der Relevanz der LSBT*-Zielgruppe. Mit ihrer Arbeit und mit Herzblut, auch weit über den Verlag hinaus, engagieren sich Gudrun Fertig und Manuela Kay für Power und Sichtbarkeit von Lesben.

Dr. Maria Beckermann

2014

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahr 2014 an Dr. Maria Beckermann. Die Frauenärztin und Sexualtherapeutin wird ausgezeichnet für ihren lebenslangen Einsatz für die Stärkung der Gesundheit von Frauen, insbesondere Lesben.

Widerständige Überzeugung
Frau Dr. Beckermann hat mit ihrem beruflichen und ehrenamtlichen Engagement als Ärztin und Beraterin viel für die Widerstandskraft, Energie und körperliche sowie psychische Gesundheit von Lesben geleistet. Anstatt Frauen zu medikalisieren, trägt sie in besonderem Maß zu Strukturen bei, die sie stärken und fördern. Ihre lesbische Identität und ihre feministische Grundüberzeugung setzt Maria Beckermann in der Öffentlichkeit stets offen und positiv voraus, was andere Frauen vorbildhaft darin bestärkt, das Gleiche zu tun.

Dr. Susanne Baer

2013

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahr 2013 an Prof’in Dr’in Susanne Baer.

Einsatz für die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen
Als Wissenschaftlerin setzt sich Susanne Baer intensiv mit diskriminierungs- und gleichstellungsrelevanten Aspekten in Grund- und Verfassungsrecht auseinander; in ihrem gesellschaftspolitischen Engagement lässt sie sich von ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten. So hat sie einen erheb-lichen Anteil an der zunehmenden rechtlichen Gleichstellung von Lesben und Schwulen in der Gesellschaft. Als Richterin am Bundesverfassungs-gericht ist sie eine öffentliche Person. Sie lebt ihre lesbische Identität selbstverständlich und offen, was zu einer wahrnehmbaren Sichtbarkeit von Lesben in unserer Gesellschaft führt.

Dr. Inge von Bönninghausen

2012

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahre 2012 an Inge von Bönninghausen. Die Journalistin und langjährige Lobbyistin Inge von Bönninghausen wird für ihre streitbare frauenpolitische Arbeit mit dem Augspurg-Heymann-Preis ausgezeichnet.

Gemeinsam sind wir stark – gemeinsam bleiben wir lästig
Inge von Bönninghausen hat immer Bündnisse von und für Frauen gesucht und wo sie sie nicht fand, zielstrebig gegründet, sowohl regional, national als auch international. Als kluge Begleiterin des Feminismus und der neuen Frauenbewegung hat sie frei von Klischees über Lesben berichtet.

Tanja Walther-Ahrens

2011

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahre 2011 an die ehemalige Bundesliga-Fußballerin Tanja Walther-Ahrens. Sie wird für ihr langjähriges engagiertes und couragiertes Eintreten gegen Homophobie im Fußballsport mit dem Augspurg-Heymann-Preis ausgezeichnet.

Kenntnisreiche Auseinandersetzung mit Klischees und Vorurteilen
Die Sportwissenschaftlerin und Lehrerin Tanja Walther-Ahrens hat als Stürmerin bei Tennis Borussia Berlin und Turbine Potsdam gespielt, heute ist sie aktiv im SV Seitenwechsel. Für die Stürmerin ist Fußball ein Abbild der Gesellschaft: „Wenn wir hier etwas ändern können, kann man auch in der Gesellschaft etwas ändern.“

Maren Kroymann

2010

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahre 2010 an die Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin Maren Kroymann. Die Wahl fällt auf Maren Kroymann, weil sie durch ihr langjähriges Wirken zu einer größeren Sichtbarkeit von Lesben im öffentlichen Raum beiträgt.

Lesbischsein als Selbstverständlichkeit leben
Maren Kroymann bricht mit ihren Rollen so manche heterosexistische Tabus und füllt mit einer unverwechselbaren Persönlichkeit ein breites Spektrum von Menschentypen aus. Sie gibt die resolute Mutter, die unkonventionelle Sozialarbeiterin, die stürmische Liebhaberin oder die durchgreifende Chefin. Somit stellt sie die ganze Bandbreite von lesbischem und heterosexuellem Frauenleben in der Gegenwart dar.

Mirjam Müntefering

2009

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahre 2009 zum ersten Mal an die Schriftstellerin Mirjam Müntefering.

Für Mut und Courage jeder einzelnen Frau
Ihr gelingt, ein Verständnis zu entwickeln für die Lage anderer. Sie macht es uns ganz schön schwer, andere zu verurteilen oder nicht zu mögen – denn die Akzeptanz von Fehlern und das Witzige, das in ihnen steckt, eröffnet neue Perspektiven auf die Welt.

DANKE FÜR DIE UNTERSTÜTZUNG