Die Preisträgerin 2017:

Prof. Dr. María do Mar Castro Varela

Diplompsychologin, Diplompädagogin und promovierte Politologin

María do Mar Castro Varela ist die erste Preisträgerin der „CouLe – Preis für couragierte Lesben“: Die LAG Lesben in NRW ehrt damit eine renommierte Wissenschaftlerin für ihre langjährige engagierte Arbeit in den Themenfeldern der Internationalen Frauen- und Genderforschung, der Kritischen Migrationsforschung und den postkolonialen Theorien, mit den Schwerpunkten Diskriminierung, Rassismus, Gender und Queer Studies.

Im Jahre 2004 hat sie zusammen mit der Philosophin Nikita Dhawan für die LAG Lesben in NRW einen Forderungskatalog über die „Pluralität lesbischer Lebenserfahrungen“ erstellt, der zu einer Öffnung der Lesben-/Beratungsstellen für Lesben mit Rassismuserfahrung in Deutschland führen und damit zu einer umfassenderen Demokratisierung der Gesellschaft beitragen sollte.

Die Forderungen sind noch heute aktuell, wie beispielsweise:

  • Komplexität im professionellen psychosozialen Denken,
  • mehrsprachiges Info-Material und mehrsprachige Beratung,
  • regelmäßige rassismuskritische Fortbildungsreihen für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen von Beratungseinrichtungen,
  • quotierte Beratungs-Teams, in denen auch Beraterinnen mit eigener Rassismuserfahrung arbeiten – so genannte „Türöffnerinnen“ mit „Betroffenheitskompetenz“
  • Anerkennung von Verfolgung aufgrund einer gleichgeschlechtlichen Lebensweise als Asylgrund,
  • Bildung von Arbeitskreisen zum Zusammenspiel von Rassismus und Heterosexismus,
  • Tagungen zur Situation lesbischer Migrantinnen und die Öffnung bestehender Netzwerke.

„Da sehe ich auch meine Rolle als Intellektuelle: klar und kritisch zu intervenieren und zu sagen, was ist. Nicht mehr und nicht weniger.“

María do Mar Castro Varela ist Diplompsychologin, Diplompädagogin und promovierte Politologin. Als eine ebenso reflektierte wie reflektierende Persönlichkeit wertet sie die Begriffe „Lesbe“ und „Feministin“ als politische Statements. Denn mit den Diskursen, die mit diesen Begrifflichkeiten verknüpft sind, werden gesellschaftliche Normierungen in Frage gestellt – spiegeln diese doch auch immer ein Macht- und Herrschaftsgefüge wider.

Die Politologin betont, „dass diejenigen, die die Aufgabe in der Gesellschaft haben, kritisch zu intervenieren, dies auch lautstark tun sollten. Da sehe ich auch meine Rolle als Intellektuelle: klar und kritisch zu intervenieren und zu sagen, was ist. Nicht mehr und nicht weniger.“*

María do Mar Castro Varela (Jahrgang 1964) studierte Pädagogik und Psychologie an der Universität zu Köln und promovierte 2005 an der Justus-Liebig-Universität Gießen in Politologie mit einer Arbeit über „Utopiediskurse migrierter Frauen“. Im Wintersemester 2006/2007 war sie Gastprofessorin an der Universität Oldenburg und Gastwissenschaftlerin u.a. am Institute for International Rights and the Humanities, Melbourne/Australien, der Universität Costa Rica, der Busan Universität in Südkorea. In 2015/26 war sie Senior Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien. Seit 2007 ist sie Professorin für Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Queer und Gender Studies an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin.
Sie war zudem Vertrauensdozentin der Heinrich-Böll-Stiftung sowie Studiengruppenleiterin für die Studienstiftung des deutschen Volkes. In ihrer wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich Prof. Dr. María do Mar Castro Varela auf die Schwerpunkte Postkoloniale Studien, Kritische Migrationsforschung, Critical Education sowie die Gender und Queer Studies.

* aus: Castro Varela, M. (2015): „Willkommenskultur: Migration und Ökonomie.
María Virginia González im Gespräch mit María do Mar Castro Varela“, in: Z. Çentin/S. Taş (Hg.),
Gespräche über Rassismus. Perspektiven & Widerstände,
Berlin: Yılmaz-Günay Verlag, S. 87-96.

Ausgezeichnete Frauen

Gudrun Fertig und Manuela Kay

2015

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahr 2015 an Gudrun Fertig und Manuela Kay.

Dynamisches Duo für lesbische Sichtbarkeit
Die Verlegerinnen Gudrun Fertig und Manuela Kay engagieren sich als Journalistinnen professionell und kontinuierlich für die Belange von Lesben, Schwulen und Transgendern. Damit setzen sie Maßstäbe und geben wichtige Impulse in die Gesellschaft. Unermüdlich setzen sich beide Unternehmerinnen nicht nur für die journalistischen Inhalte ein, sondern überzeugen mit der Qualität ihrer Produkte einen größer werdenden Stamm Werbekund_innen von der Relevanz der LSBT*-Zielgruppe. Mit ihrer Arbeit und mit Herzblut, auch weit über den Verlag hinaus, engagieren sich Gudrun Fertig und Manuela Kay für Power und Sichtbarkeit von Lesben.

Dr. Maria Beckermann

2014

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahr 2014 an Dr. Maria Beckermann. Die Frauenärztin und Sexualtherapeutin wird ausgezeichnet für ihren lebenslangen Einsatz für die Stärkung der Gesundheit von Frauen, insbesondere Lesben.

Widerständige Überzeugung
Frau Dr. Beckermann hat mit ihrem beruflichen und ehrenamtlichen Engagement als Ärztin und Beraterin viel für die Widerstandskraft, Energie und körperliche sowie psychische Gesundheit von Lesben geleistet. Anstatt Frauen zu medikalisieren, trägt sie in besonderem Maß zu Strukturen bei, die sie stärken und fördern. Ihre lesbische Identität und ihre feministische Grundüberzeugung setzt Maria Beckermann in der Öffentlichkeit stets offen und positiv voraus, was andere Frauen vorbildhaft darin bestärkt, das Gleiche zu tun.

Dr. Susanne Baer

2013

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahr 2013 an Prof’in Dr’in Susanne Baer.

Einsatz für die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen
Als Wissenschaftlerin setzt sich Susanne Baer intensiv mit diskriminierungs- und gleichstellungsrelevanten Aspekten in Grund- und Verfassungsrecht auseinander; in ihrem gesellschaftspolitischen Engagement lässt sie sich von ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten. So hat sie einen erheb-lichen Anteil an der zunehmenden rechtlichen Gleichstellung von Lesben und Schwulen in der Gesellschaft. Als Richterin am Bundesverfassungs-gericht ist sie eine öffentliche Person. Sie lebt ihre lesbische Identität selbstverständlich und offen, was zu einer wahrnehmbaren Sichtbarkeit von Lesben in unserer Gesellschaft führt.

Dr. Inge von Bönninghausen

2012

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahre 2012 an Inge von Bönninghausen. Die Journalistin und langjährige Lobbyistin Inge von Bönninghausen wird für ihre streitbare frauenpolitische Arbeit mit dem Augspurg-Heymann-Preis ausgezeichnet.

Gemeinsam sind wir stark – gemeinsam bleiben wir lästig
Inge von Bönninghausen hat immer Bündnisse von und für Frauen gesucht und wo sie sie nicht fand, zielstrebig gegründet, sowohl regional, national als auch international. Als kluge Begleiterin des Feminismus und der neuen Frauenbewegung hat sie frei von Klischees über Lesben berichtet.

Tanja Walther-Ahrens

2011

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahre 2011 an die ehemalige Bundesliga-Fußballerin Tanja Walther-Ahrens. Sie wird für ihr langjähriges engagiertes und couragiertes Eintreten gegen Homophobie im Fußballsport mit dem Augspurg-Heymann-Preis ausgezeichnet.

Kenntnisreiche Auseinandersetzung mit Klischees und Vorurteilen
Die Sportwissenschaftlerin und Lehrerin Tanja Walther-Ahrens hat als Stürmerin bei Tennis Borussia Berlin und Turbine Potsdam gespielt, heute ist sie aktiv im SV Seitenwechsel. Für die Stürmerin ist Fußball ein Abbild der Gesellschaft: „Wenn wir hier etwas ändern können, kann man auch in der Gesellschaft etwas ändern.“

Maren Kroymann

2010

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahre 2010 an die Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin Maren Kroymann. Die Wahl fällt auf Maren Kroymann, weil sie durch ihr langjähriges Wirken zu einer größeren Sichtbarkeit von Lesben im öffentlichen Raum beiträgt.

Lesbischsein als Selbstverständlichkeit leben
Maren Kroymann bricht mit ihren Rollen so manche heterosexistische Tabus und füllt mit einer unverwechselbaren Persönlichkeit ein breites Spektrum von Menschentypen aus. Sie gibt die resolute Mutter, die unkonventionelle Sozialarbeiterin, die stürmische Liebhaberin oder die durchgreifende Chefin. Somit stellt sie die ganze Bandbreite von lesbischem und heterosexuellem Frauenleben in der Gegenwart dar.

Mirjam Müntefering

2009

Der Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW geht im Jahre 2009 zum ersten Mal an die Schriftstellerin Mirjam Müntefering.

Für Mut und Courage jeder einzelnen Frau
Ihr gelingt, ein Verständnis zu entwickeln für die Lage anderer. Sie macht es uns ganz schön schwer, andere zu verurteilen oder nicht zu mögen – denn die Akzeptanz von Fehlern und das Witzige, das in ihnen steckt, eröffnet neue Perspektiven auf die Welt.

DANKE AN DIE UNTERSTÜTZER